Deutschland, Baden-Württemberg: Donaueschingen (21300 Einwohner)
Berufsverkehr: Arbeitswege per Fahrrad - Potenzialanalyse für ein mittelständisches Unternehmen
Verwaltungsgebäude SICK STEGMANN GmbH
(Copyright: SICK-STEGMANN)
Handlungsfeld(er)
- Forschung / Statistik
- Mobilitätsmanagement
Handlungsebene
Unternehmen
Projektbeschreibung
1 Ausgangssituation
Die Firma hat eine Potentialanalyse erstellen lassen, wie viele Arbeitnehmer mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen könnten und welche Maßnahmen notwendig dafür wären.
1. 1 Problemstellung, Anlass und Projektziel
Die SICK STEGMANN GmbH (Bild Verwaltungsgebäude SICK-STEGMANN) bietet seit fünf Jahrzehnten Kunden Problemlösungen für die Industrie. Mehr als 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickeln, konstruieren und fertigen gemeinsam am Standort Donaueschingen ein vielfältiges Produktangebot für die Branchen Apparatebau, Maschinen- und Anlagenbau, Mess- und Regeltechnik, Servoantriebe und Steuerungen. Seit Oktober 2002 präsentiert sich STEGMANN als Unternehmen der SICK-Gruppe in Waldkirch. Weltweit zählt SICK mit Produkten für die Automatisierungstechnik zu den Marktführern.
Innerhalb der SICK- Gruppe hat der Themenbereich "Radfahren/ Gesundheitsvorsorge" einen hohen Stellenwert. Am Standort Donaueschingen wohnt fast die Hälfte der 424 Beschäftigten der SICK STEGMANN GmbH nicht weiter als fünf Kilometer vom Betrieb entfernt. Dies stellt der ideale Distanzbereich für Radfahrten dar. Im Radius bis zehn Kilometer wohnen insgesamt 63%. Der Anteil derjenigen, die derzeit ihren Arbeitsweg zur Firma regelmäßig mit dem Rad zurücklegen ist mit unter einem Prozent (2–3 Personen) demgegenüber sehr gering und stellt ein Indiz für notwendige Verbesserungen dar.
Als eine Grundlage für weitergehende Planungen und Maßnahmen wurde zunächst eine Potenzialanalyse beim ADFC Baden-Württemberg beauftragt, damit anstehende Investitionen in die Infrastruktur bedarfsgerecht erfolgen können.
1. 2 Bestandsanalyse
Das Betriebsgelände der Firma SICK STEGMANN GmbH liegt nördlich der Innenstadt von Donaueschingen an der Dürrheimer Straße. Problematisch für den Radverkehr ist das hohe Geschwindigkeitsniveau. Die einzige Anlage für den Radverkehr ist ein Fahrradstreifen auf der Fahrbahn, aber nur aus der Richtung der Innenstadt (Bild Radstreifen Dürrheimer Straße).Darüber hinaus gibt es im Umfeld des Firmengeländes kaum Radverkehrsanlagen. 20 überdachte Fahrradabstellplätze mit Vorderradhaltern, derzeit unbeleuchtet, aber über die Fuhrparkleitung und das Verwaltungsgebäude sozial kontrolliert (Bild Fahrradabstellanlage), sind vorhanden. Die beiden Fertigungsgebäude verfügen jeweils über Sammelumkleideräume mit offenen Garderoben und kleinen Spinden (Bild Garderobe in einem Fertigungsgebäude), und weiteren Räumen mit Waschbecken. Duschen und Trockenmöglichkeiten für Kleidung sind nicht vorhanden.
2 Potenzialanalyse
Für den Raum Donaueschingen sind die Potenzialwerte nicht an den maximal erreichbaren Werten anderer Regionen zu orientieren. Wichtige Gründe hierfür sind in der Topographie und in der fehlenden Fahrradkultur zu sehen. Die Potenzialermittlung erfolgte in zwei Stufen, zunächst wurde ein kurzfristig zu mobilisierendes Potenzial für die Jahre 2006/7 ermittelt und danach ein Potenzial 2010+.
Es wird davon ausgegangen, dass – kurzfristig - im optimalen Distanzbereich bis 5km an Sommertagen 25% der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Rad kommen könnten. Durch geringer angesetzte Radverkehrsanteile für weitere Entfernungen und bei schlechterem Wetter ergeben sich im Jahresdurchschnitt 7% der Gesamtbelegschaft.
3 Handlungsfelder
Zur Ausschöpfung der Potenziale sind Maßnahmen in folgenden Handlungsfeldern geeignet:
3. 1 Fahrradinfrastruktur im Betrieb
- Abstellanlagen: neue, moderne Anlagen in angemessener Anzahl und in Nähe der Werkseingänge
- Zugang zum Betriebsgelände: Zugang so gestalten, dass Radfahrer auf das und vom Betriebsgelände fahren können, ohne vom Rad absteigen zu müssen (Bild Einfahrt zum Firmengelände).
- Umkleide- und Duschmöglichkeiten, Trockenmöglichkeiten: Bedarf und Einrichtung prüfen
3. 2 Fahrradinfrastruktur zum Betrieb
Die Verkehrssituation im Umfeld des Betriebes ist unbefriedigend für den Radverkehr. Es wird empfohlen, Kontakt zur Stadtverwaltung Donaueschingen und zu benachbarten Betrieben aufzunehmen, um gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen.
3. 3 Betriebliche Ebene
Das Radfahren soll auf allen betrieblichen Ebenen und in unterschiedlichsten betrieblichen Handlungsfeldern zum Thema gemacht werden. Hierzu wäre es sinnvoll, ein entsprechendes Handlungskonzept zu erarbeiten.
3. 4 Interne und externe Öffentlichkeitsarbeit
Eine Kommunikationskultur zum Thema Radfahren soll aufgebaut werden. Informationen, Aktionen und die Kampagne "Mit dem Rad zur Arbeit 2006" sollen intern über vorhandene Medien und in Besprechungen kommuniziert werden. Die SICK STEGMANN GmbH kann sich mit dem Themenfeld "Fahrrad" als innovatives und gesundheitsbewusstes Unternehmen in Presse und Öffentlichkeit darstellen.
4 Ausblick
Nach der "theoretischen" Phase der Potenzialanalyse werden in den folgenden Jahren wesentliche Maßnahmen in Richtung "Fahrradfreundliches Unternehmen" unter Einbeziehung der Belegschaft geplant und umgesetzt. Die Wirkung wird – wie bei der SICK STEGMANN GmbH üblich – evaluiert.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollten innerhalb der SICK-Gruppe und nach außen kommuniziert werden.
Dr.-Ing. Silvia Körntgen, ADFC Baden-Württemberg
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Radstreifen Dürrheimer Straße
(Copyright:
S. Körntgen)
Fahrradabstellanlage
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Garderobe in einem Fertigungsgebäude
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S. Körntgen)
Einfahrt zum Firmengelände
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S. Körntgen)
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Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?
Es handelt sich um eine Unternehmesinitiative zur Förderung des Radverkehrs. Durch eine stärkere Radnutzungen gewinnen alle: Unternehmen (Image, Kosteneinsparung), Beschäftigte (Gesundheit), Umwelt/ Allgemeinheit (Entlastung vom motorisierten Verkehr). Übertragbar vor allem auf Unternehmen und Verwaltungen, aber in den Maßnahmenempfehlungen individuell zu gestalten.
Zielgruppe
- Arbeitgeber / Schule
- Sonstige
Erläuterungen
Unternehmen und seine Beschäftigten
Finanzierung
Investition
- Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Laufende Kosten
- Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Erläuterungen
Das Unternehmen hat Gutachten "Potenzialanalyse" erstellen lassen. "Folgekosten" für die umzusetzenden Maßnahmen trägt auch das Unternehmen.
Evaluation
Das Projekt wird evaluiert, bzw. eine Evaluation ist geplant:
Ja
Nein
Erläuterungen
Zum Unternehmenskonzept gehört die Evaluation von Maßnahmen, d.h. auch die Evaluation der geplanten Radverkehrsmaßnahmen ist selbstverständlich (Abschätzung des Radverkehrsanteils, Zufriedenheit der Beschäftigten).
Projektträger / Projektbeteiligte
Projektträgerschaft
- Unternehmen, Verband, Verein, Private
Projektträger
Projektbeteiligte
- SICK STEGMANN GmbH
- ADFC Baden-Württemberg
Laufzeit
Laufend seit:
Oktober 2005
Abgeschlossen am:
Dezember 2005
Erläuterungen
Die Potenzialanalyse wurde Ende 2005 fertig gestellt. Sie dient als eine Basis für Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs, die ab Frühjahr 2006 durchgeführt werden. Dem Themenbereich Radverkehr soll auf Dauer größerer Raum gegeben werden.
Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation
Ansprechpartner
Projektebene / Trägerorganisation
Projektleiterin Betriebsberatung
Frau Dr.-Ing. Silvia Körntgen
ADFC Baden-Württemberg
Augustenstraße 99
70197 Stuttgart
Telefon: +49(0)711/628999
E-mail:
silvia.koerntgen@adfc-bw.de
Personalreferentin - Personal- und Sozialwesen
Frau Maren van Oterendorp
SICK STEGMANN GmbH
Dürrheimer Straße 36
78166 Donaueschingen
Telefon: +49(0)771/807-114
Telefax: +49(0)771/807-280
E-mail:
maren.van.oterendorp@sick-stegmann.de
Stand der Information
17.02.2006