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Bayern

AGFK-Interview mit dem Leiter des neuen Sachgebiets "Radverkehr und Nahmobilität" im Landesverkehrsministerium.

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Interview der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e. V." mit dem Leiter des neuen Sachgebiets "Radverkehr und Nahmobilität" im bayerischen Staatsministerium des Innnern, für Bau und Verkehr

Stephan Blauth ist seit 1.10.2014 Leiter des neuen Sachgebiets "Radverkehr und Nahmobilität" im bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr. Für die AGFK Bayern ist die Einrichtung dieses Sachgebietes eine wichtige Weichenstellung in der landespolitischen Verkehrsplanung. Was bedeutet dieser Schritt für den Radverkehr in Bayern? Herr Blauth stand der AGFK Bayern zu den wichtigsten Fragen "Rede und Antwort".

Wer ist Herr Blauth? Bitte stellen Sie sich und Ihr zukünftiges Aufgabenfeld kurz vor.

Ich wurde 1968 geboren und habe an der TU München Bauingenieurwesens studiert. Meine Vertiefungsfächer waren "Bau von Landverkehrswegen" und "Stadt und Verkehrsplanung". Nach dem Studium bin ich 1995 in die bayerische Staatsbauverwaltung eingetreten und hatte meine erste Stelle als Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt Augsburg. Dort war ich zuständig für die Bundes- und Staatsstraßen hauptsächlich im Landkreis Augsburg. 2004 wechselte ich nach München in die Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr und war als Referent im Sachgebiet für Straßenbau in Oberbayern und Schwaben tätig. Von Oktober 2006 bis Februar 2010 war ich Persönlicher Referent des Bayerischen Staatsministers des Innern. Anschließend übernahm ich die Leitung eines Planungssachgebiets in der Autobahndirektion Nordbayern, Nürnberg. Seit 1. Oktober 2014 bin ich Leiter des neu eingerichteten Sachgebiets "Radverkehr, Nahmobilität" in der Obersten Baubehörde. Dieses soll den Radverkehr fördern und das Fahrrad als eigenes, umweltfreundliches Verkehrsmittel ins Bewusstsein der bayerischen Bevölkerung rücken sowie der Nahmobilität mehr Gewicht verleihen. Wir sind zuständig für die Grundsatzfragen des Radverkehrs und der Nahmobilität und arbeiten mit den damit befassten Gremien außerhalb der Staatsverwaltung zusammen. Zudem befassen wir uns mit den Schnittstellen zum öffentlichen Verkehr und innovativen Formen urbaner Mobilität. Zusammen mit dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat betreuen und erweitern wir das "Bayernnetz für Radler" als Papierkarte und im Internet.

Von der Autobahn zum Radverkehr – eine ungewöhnliche Kombination. Welche Parallelen gibt es in Ihren Aufgaben, wo sind die größten Unterschiede?

Parallelen gibt es einmal in der grundlegenden ingenieurmäßigen Herangehensweise beim Umsetzen von Projekten. Am Anfang ist ein Bedarf oder ein Mangel zu identifizieren, für welchen eine Lösung gesucht werden muss. Diese wird dann immer weiter konkretisiert, bis sie umgesetzt werden kann. Und bei diesem Planungsprozess gibt es dann die nächste Parallele: die beste Planung nützt nichts, wenn Sie nicht vermittelt werden kann. Daher ist der Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern, politischen Mandatsträgern aller Ebenen sowie Parteien und Verbändevertretern immer von großer Bedeutung. Ein Unterschied liegt darin, dass wir bei der Autobahn Maßnahmen geplant haben, die dann auch von uns mit entsprechenden Haushaltsmitteln umgesetzt werden konnten. Hier beim Sachgebiet "Radverkehr, Nahmobilität" arbeiten wir vor allem konzeptionell. Wir können viele Dinge anstoßen, entwickeln und Rahmenvorgaben bzw. Anreize geben. Die Umsetzung müssen dann andere, in der Regel die Kommunen, mit eigenen Mitteln bzw. bei Fördermaßnahmen mit einem Eigenanteil, leisten.

Das neue Sachgebiet Radverkehr im Innenministerium: Woraus ist es entstanden, wie und wo ist es integriert und welche Aufgaben hat es?

Der Radverkehr war bisher auf zwei Sachgebiete in zwei Ministerien aufgeteilt. Im Innenministerium befasste sich die Straßenbauabteilung der Obersten Baubehörde zum einen mit Planung und Bau von Radwegen. Zum anderen wurde dort auch das Radverkehrshandbuch "Radlland Bayern" erstellt, das "Bayernnetz für Radler" mitbetreut und die Zusammenarbeit mit der AGFK begründet. Daneben war im Wirtschaftsministerium die Verkehrsabteilung mit allgemeinen Radverkehrsthemen befasst. Diese wurde vor gut einem Jahr in das Innenministerium umressortiert. Im neuen Sachgebiet, welches in der Verkehrsabteilung angesiedelt ist, werden nun diese Themen gebündelt, nur der Radwegebau bleibt weiterhin bei der Straßenbauabteilung.

Sind Radschnellwege die neuen "Radautobahnen"? Und ist Ihre Benennung ein erstes Zeichen für die Förderung dieser Anlagen?

Radschnellwege sollen wichtige Quell- und Zielbereiche mit entsprechend hohen Potenzialen über größere Entfernungen verknüpfen und durchgängig ein sicheres und attraktives Befahren mit hohen Reisegeschwindigkeiten ermöglichen. Von daher drängt sich natürlich ein Vergleich mit Autobahnen auf. Ich selbst bevorzuge aber statt "Radautobahn" den Begriff "Radschnellverbindung" wie er auch im entsprechenden Arbeitspapier der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen verwendet wird. Dies zum einen, da der Begriff "Autobahn" auf den Kraftfahrzeugverkehr fokussiert ist. Zum anderen werden wir Radwege, die an allen Knotenpunkten bevorrechtigt sind oder andere Verkehrswege höhenfrei kreuzen, nur in Teilstücken verwirklichen können. Der Begriff "Radschnellverbindung" schließt aber auch Teilstücke wie Fahrradstraßen oder Radfahrstreifen ein, oder dass an einigen Kreuzungen evtl. auch mal kurz angehalten werden muss. Radschnellverbindungen sind ein wichtiges Thema, an welchem wir derzeit schon intensiv arbeiten.

Abstellanlagen, Gesundheit, Intermodalität: Radverkehr ist mittlerweile deutlich komplexer als der schlichte Radwegebau: Welche Fokusthemen werden den Schwerpunkt des Sachgebiets in den kommenden Jahren bilden?

Derzeit arbeiten wir zusammen mit ADFC und AGFK an dem Thema "Fahrrad am Bahnhof". Hier soll der Ausbau von hochwerten Abstellanlagen an Bahnhöfen vorangetrieben werden. Auch in ein Gemeinschaftsprojekt der Städte Nürnberg, Fürth, Erlangen und Herzogenaurach zu Radschnellverbindungen sind wir eingebunden. 2015 wollen wir einen "Radverkehrsplan Bayern" aufstellen, der Ziele, Konzepte und Maßnahmen enthalten soll, um den Radverkehr zu fördern und auch die Verkehrssicherheit für Radfahrende weiter zu verbessern. In den kommenden Jahren wird uns sicher auch das Thema "Intermodalität/vernetzte Mobilität" stark beschäftigen.

Der Nationale Radverkehrsplan sieht einen bundesweiten Radverkehrsanteil von 15Prozent im Jahr 2020 – welches Ziel haben Sie für Bayern?

In Bayern hatten wir 2008 einen Radverkehrsanteil von 11 Prozent und lagen damit über dem bundesweiten Durchschnitt von 10 Prozent. Diesen Vorsprung wollen wir unbedingt halten und noch weiter ausbauen.

Das Innenministerium arbeitet eng mit der AGFK Bayern zusammen – was erhoffen Sie sich von der Kooperation für Ihre zukünftige Arbeit? In welchen Bereichen können Sie als Ansprechpartner im Innenministerium die AGFK Bayern noch intensiver unterstützen?

Die AGFK ist beim Radverkehr in Bayern nicht mehr wegzudenken. Sie ist für uns ein wichtiger Partner und Kommunikator in der Radverkehrsförderung. Die AGFK repräsentiert die bayerischen Kommunen, die den Radverkehr ernst nehmen und die Radverkehrsförderung verbessern wollen. Durch sie haben wir guten Kontakt zu den Kommunen und sind nah an den dort aktuellen Themen. Im gegenseitigen Austausch und mit gemeinsamen Projekten können wir wichtige Aspekte des Radverkehrs voranbringen. Hier sei nur als Beispiel die Information und Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger durch entsprechende Faltblätter oder die Unterstützung der Kommunen bei der Zählung des Radverkehrsanteils genannt.

Das Stadtradeln 2014 war in Bayern ein voller Erfolg. Die Förderung durch das Innenministerium hat so ein deutliches Zeichen für mehr Radverkehr gesetzt. Gibt es bereits Pläne und Überlegungen für 2015?

Von den 283 Kommunen die sich dieses Jahr in Deutschland am Stadtradeln beteiligt haben sind fast die Hälfte, nämlich 141, bayerische Kommunen. Ich hoffe, dass diese breite Beachtung des Fahrrads als Verkehrsmittel in Bayern weiter unterstützt werden kann, damit der Erfolg des Stadtradelns auch nächstes Jahr fortgesetzt und gesteigert wird.

Herr Blauth, wir danken Ihnen für dieses Interview und freuen uns auf die weitere Zusammanarbeit.

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Quelle: www.agfk-bayern.de/interview-mit-dem-leiter-des-neuen-sachgebiets-radverkehr-und-nahmobilitaet-im-bayerischen-staatsministerium-des-innnern-fuer-bau-und-verkehr (AGFK Bayern am 14.11.2014)

Meta Infos
Stand der Information
16. November 2014
Quelle

AGFK - Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e. V. (www.agfk-bayern.de) // Difu (A.H.)

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Fahrradthemen
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