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ICx soll Durchbruch bei Fahrradmitnahme bringen

Fahrradparken am Bahnhof in Zürich
Fahrradparken am Bahnhof in Zürich © Harry Schiffer

Mitteilung Michael Cramer: Fahrradmitnahme in neuen Fernverkehrszügen ICx

Die am 9. Mai 2011 von der Deutschen Bahn bei Siemens bestellten Fernverkehrszüge der nächsten Generation, die so genannten 'ICx', sollen nach Aussagen der Deutschen Bahn über spezielle Mehrzweckabteile zur Mitnahme von Fahrrädern, Kinderwägen und Rollstühlen verfügen. Dazu erklärt Michael Cramer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament:

"Die Entscheidung der Deutschen Bahn, die Fahrradmitnahme zukünftig im ICx zu ermöglichen, ist ein entscheidender Schritt für die Stärkung des nachhaltigen Verkehrs in der EU. Denn nur wenn die beiden umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene und Fahrrad leicht kombinierbar sind, werden sie attraktiver. Deshalb ist die Fahrradmitnahme zugleich ein Gewinn für die Fahrgäste, die Umwelt und nicht zuletzt für die Deutsche Bahn.

Die ab 2016 schrittweise einzuführenden ICx-Züge werden jeweils über ein Multifunktionsabteil verfügen, das Reisenden im Rollstuhl, Eltern mit Kinderwagen sowie 8 Fahrrädern ausreichend Platz bietet. Zudem wird eine am Abteil angebrachte automatische Hubrampe den barrierefreien Zugang zum Abteil und das schnelle und einfache Verladen der Fahrräder und Kinderwagen ermöglichen.

Mit der Entscheidung der Deutschen Bahn ist die europaweite Fahrradmitnahme in allen Zügen einen großen Schritt vorangekommen. Denn nach der Entscheidung des Europäischen Parlaments über die Fahrgastrechte, in der die Fahrradmitnahme in allen Zügen verankert wurde, konnte man im Eurostar von Paris nach London und auch im TGV von Stuttgart nach Paris das Fahrrad mitnehmen. Der neue Thalys von Paris über Brüssel nach Köln hat ebenfalls ein Fahrradabteil, die alten Thalyszüge werden nachgerrüstet.

Nach dem Beschluss des Europäischen Parlaments hatten sich auch Bundestag und Bundesrat für die Fahrradmitnahme im ICE ausgesprochen. Mit der Entscheidung der DB AG für den ICx ist die Hoffnung berechtigt, dass die Fahrradmitnahme in allen Zügen der EU bald eine Selbstverständlichkeit ist."

Zur Originalpressemitteilung des Europa-Politikers Michael Cramer (Fraktion Die Grünen im Europa-Parlament)

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Mitteilung des ADFC-Fachausschuss Öffentlicher Verkehr: Endlich Fahrradmitnahme auch im ICE?

Mai 2011 - Die Meldungen zum Vertragsabschluss über den Bau der Fahrzeugflotte "ICx" zwischen DB und Siemens erwecken diesen Eindruck. Zu den Ausstattungsmerkmalen gehört auch ein Fahrradabteil mit 8 Stellplätzen. Die neuen Züge soll es in mehreren Varianten geben: Für den IC-Verkehr bis 230 km/h, für den ICE-Verkehr bis 249 km/h schnell. Ab 2016 sollen die lokbespannten IC-Züge ersetzt werden. Anfang der 2020er Jahre sollen dann ICE1, danach ICE2 und Ende der 2020er Jahre die ICE-T durch die ICE-Variante des ICx ersetzt werden.

Positiv ist, dass die Fahrradmitnahme im IC erhalten bleibt, auch wenn es weniger Stellplätze (8 statt bisher meistens 16) geben wird. Wenn dann Mitte der 2020er Jahre die ICE-1 und ICE-2 durch den ICx ersetzt werden, könnten die Züge ebenfalls mit Fahrradabteilen ausgerüstet werden.

Ein Blick zurück zeigt, dass das nichts besagt: Anfang der 1990er Jahre wurde die Fahrradmitnahme im IC und ICE als technisch nicht möglich durch die DB abgelehnt. Damals gab es allerdings ein flächendeckendes IR-Netz, in dem die Fahrradmitnahme möglich war. Der in Planung befindliche Neigetechnik-Zug (später als ICE-T bezeichnet) sollte ursprünglich IR und IC ersetzen und konstruktiv für die Fahrradmitnahme ausgelegt werden. Mit dem Fahrplanwechsel am 30. Mai 1999 wurden die ersten Züge eingesetzt - sie fuhren zwischen Stuttgart und Zürich als ICE mit 10 buchbaren Fahrradstellplätzen. Bei den danach ausgelieferten Zügen wurden die Fahrradstellplätze weggelassen, da man die Sitzplätze für den Zusatzverkehr zur Expo2000 in Hannover benötige wie es bei der DB hieß. Dabei blieb es dann auch beim anschließenden Regeleinsatz und zum Fahrplanwechsel am 15.12.2002 wurden die Fahrradabteile bei den zwischen Stuttgart und Zürich verkehrenden Zügen wieder ausgebaut.

Die heute durch die DB gegen die Fahrradmitnahmemöglichkeit im heutigen ICE angeführten Argumente treffen auch auf den ICx zu. Türbreite und Einstiegsraum haben die selben Maße wie die heutigen ICEs. Wenn der ICx als ICE eingesetzt wird, schließt das folglich die Fahrradmitnahme aus - wenn umgekehrt beim ICx in der ICE-Variante die Fahrradmitnahme möglich ist, könnte man zumindest in der Baureihe ICE-T das Fahrradabteil bereits heute wieder in Betrieb nehmen. Dies wird aber abgelehnt, obwohl die schlimmsten Netzlücken dadurch geschlossen werden könnten.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass mit der Ausmusterung der vorhandenen IC-Waggons ab 2017 die Fahrradmitnahme wie bisher aber mit weniger Stellplätzen pro Zug weiterhin angeboten wird. Ab ungefähr 2022 werden dann die ICE-1 ausgemustert - ob die Nachfolgezüge dann auch ein Fahrrdabteil haben werden, wird kurz vorher entschieden.

Zur Originalstellungnahme des ADFC-Fachausschuss Öffentlicher Verkehr

Weitere Infos:

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Stand der Information
12. Mai 2011
Quelle

Michael Cramer (www.michael-cramer.eu/show/4761201.html) / ADFC-Fachausschuss Öffentlicher Verkehr (www.fa-oeffentlicher-verkehr.adfc.de) // Difu (A.H.)

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Deutschland
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