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Unfallbilanz Deutschland 2020

Zahl der Verkehrstoten und Verletzten auf dem tiefsten Stand seit mehr als 60 Jahren

Notarztwagen bei einem Rettungseinsatz
Notarztwagen bei einem Rettungseinsatz © Alexander Hunger

Unfallbilanz Deutschland 2020: Weniger Verkehrsunfälle, außer bei Radfahrenden

2020 kamen auf deutschen Straßen insgesamt 97.296 Radfahrende bei einem Verkehrsunfall zu Schaden, die allermeisten davon innerorts (84.765). 438 Radfahrende starben, 174 davon innerorts. 17.737 Radfahrende trugen schwere Verletzungen davon.

Überblick über die Unfälle

2020 wurden von der Polizei bundesweit insgesamt gut 2,2 Millionen Verkehrsunfälle aufgenommen (16,4 Prozent weniger als 2019). Bei knapp 2,0 Millionen Unfällen blieb es bei Sachschaden, bei rund 264.000 Verkehrsunfällen wurden Menschen verletzt oder getötet. Die Zahl der Unfälle mit Sachschaden sank gegenüber 2019 um 17,0 Prozent, bei Unfällen mit Personenschaden waren es 11,9 Prozent weniger.

Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden ist gegenüber 2019 um 11,9 Prozent auf 264.499 zurückgegangen. Nach wie vor ereigneten sich die meisten Unfälle mit Personenschaden innerhalb von Ortschaften (69,3 Prozent); jedoch wurden hier nur 29,8 Prozent der Getöteten registriert. Auf den Außerortsstraßen (ohne Autobahnen) passierten 24,9 Prozent der Personenschadensunfälle, aber 58,6 Prozent der Verkehrsopfer kamen hier ums Leben. Auf den Autobahnen wurden 5,8 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden und 11,7 Prozent aller Getöteten gezählt.

An dieser unterschiedlichen Verteilung von Unfällen und Getöteten wird deutlich, dass die Unfälle auf den Außerortsstraßen unter anderem wegen der höheren Fahrgeschwindigkeiten schlimmere Folgen hatten. Zieht man als Maß für die Unfallschwere das Verhältnis der Zahl der Getöteten zu den Unfällen mit Personenschaden heran, so wird dies bestätigt: Während 2020 innerorts 4 Getötete auf 1.000 Unfälle mit Personenschaden kamen, lag der entsprechende Wert für Autobahnen bei 21 und für die Landstraßen sogar bei 24 Todesopfern.

Der „Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug, das einbiegt oder kreuzt“ war mit 30,9 Prozent die häufigste Unfallart innerhalb von Ortschaften, dagegen lag das "Abkommen von der Fahrbahn" außerhalb von Ortschaften an erster Stelle. Fast jeder dritte Unfall außerorts (29,7 Prozent) ging auf diese Unfallart zurück.

Bei den Unfalltypen stand innerorts der „Einbiegen/Kreuzen-Unfall“ (24,8 Prozent) an erster Stelle. Betrachtet man jedoch die Unfallfolgen, so kamen innerhalb von Ortschaften bei den „Fahrunfällen“ die meisten Menschen (22,0 Prozent) ums Leben. Außerhalb von Ortschaften dominierte der „Fahrunfall“ mit 33,0 Prozent knapp vor dem „Unfall im Längsverkehr“ mit 32,2Prozent bei denen 30,8 Prozent aller Getöteten gezählt wurden. Dagegen wurden beim „Fahrunfall“ die meisten Menschen getötet (42,1 Prozent).

Überblick über die Verunglückten

Im Jahr 2020 starben 2.719 Menschen im Straßenverkehr, das waren 327 Verkehrstote oder 10,7 Prozent weniger als 2019. Weitere 58 005 Verkehrsteilnehmer wurden schwer- (–11,1 Prozent) und 269.545 leichtverletzt (–15,5 Prozent). Im Jahr 2020 ging die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten bei fast allen Verkehrsbeteiligungsarten zurück. Den stärksten Rückgang, nach absoluten Zahlen gesehen, gab es bei den PKW-Insassen (–194 Getötete oder –14,2 Prozent), gefolgt von Benutzern von Krafträdern mit amtlichen Kennzeichen (–43 Getötete oder –7,9 Prozent) und den Güterkraftfahrzeugen (–28 Getötete oder –18,4 Prozent). Die Dominanz des Pkw im Straßenverkehr belegt der hohe Anteil der Pkw-Insassen an den Unfallopfern: 43,0 Prozent der Verkehrstoten sowie 48,2 Prozent der Verletzten kamen in einem Pkw zu Schaden. 18,4 Prozent der Getöteten waren Benutzer von Krafträdern mit amtlichen Kennzeichen, 15,7 Prozent benutzten ein Fahrrad und 13,8 Prozent waren Fußgänger.

Den größten Anteil mit 32,9 Prozent aller Getöteten hatte die Gruppe der Senioren (65 Jahre und älter). 12,0 Prozent aller Verkehrstoten waren im Alter von 18- bis 24 Jahren, der Altersgruppe mit den meisten Fahranfängern. Bezogen auf eine Million Einwohner ihrer Altersgruppe sind die Senioren mit 49 Getöteten sowie die jungen Erwachsenen mit 52 Getöteten, die am meisten gefährdeten Altersgruppen.

Die Zahl der Getöteten ist in allen Altersgruppen rückläufig. Die stärkste Abnahme war bei den Senioren (–143 Personen oder –13,8 Prozent) und bei den jungen Fahrern im Alter von 18 bis 24 Jahren (–37 Personen oder –10,2 Prozent) bei den unter 15-Jährigen von 55 auf 48 Getötete (–12,7 Prozent). Bei den Jugendlichen fiel die Abnahme am geringsten aus (64 gegenüber 66 oder –3,0 Prozent).

Überblick über die Beteiligten

Im Jahr 2020 zählte die Polizei 491.483 Beteiligte an 264.499 Straßenverkehrsunfällen mit Personenschaden. Mehr als jeder zehnte Beteiligte kam ohne Mitwirkung eines anderen Verkehrsteilnehmers bei Alleinunfällen zu Schaden, 14,0 Prozent waren in Unfälle mit mindestens drei Beteiligten verwickelt. Fast zwei Drittel (58,2 Prozent) aller an Personenschadensunfällen Beteiligten waren Pkw-Fahrer, bei schwerwiegenden Unfällen mit Sachschaden (i.e.S.) betrug ihr Anteil sogar 85,4 Prozent. Nur 33,7 Prozent aller Beteiligten von Unfällen mit Personenschaden waren Frauen. Bei den unfallbeteiligten Fahrern von Personenkraftwagen waren es 37,4 Prozent. 11,5 Prozent aller Hauptverursacher mit Altersangaben waren junge Pkw-Fahrer und -Fahrerinnen im Alter von 18-24 Jahren. Bei den 65 Jahre oder älteren waren es 10,9 Prozent.

49.498 Radfahrende wurden 2020 als Hauptverursacher von Unfällen mit Personenschaden festgestellt. Insgesamt waren 2020 gut 286.000 Pkw-Fahrer an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt. Rund 163.000 Pkw-Fahrer, das sind 57,0 Prozent hatten den Unfall auch verschuldet: Bei den unfallbeteiligten Pkw-Fahrern im Alter von 18 bis 20 Jahren wurden mehr als zwei Drittel (68,2 Prozent) als Hauptverursacher eingestuft. Mit steigendem Lebensalter sinkt dieser Anteil und erreichte 2020 seinen niedrigsten Wert in der Altersgruppe zwischen 45 und 50 Jahren (50,1 Prozent). In den darüber liegenden Altersgruppen nimmt der Anteil der Hauptverursacher an allen Beteiligten der jeweiligen Altersgruppe wieder zu. Besonders hoch war der Anteil bei den Senioren, die mindestens 75 Jahre alt waren. Drei Viertel (76,0 Prozent) der Pkw-Fahrer dieser Altersgruppe trugen die Hauptschuld an dem Unfall, an dem sie beteiligt waren.

Unfallursachen

Menschliches Fehlverhalten war mit Abstand die häufigste Unfallursache 88,5 Prozent der Ursachen bei Unfällen mit Personenschaden waren 2020 Fehlverhalten von Fahrzeugführern und 2,9 Prozent Fehlverhalten von Fußgängern. 7,5 Prozent waren allgemeine Unfallursachen, wie Straßenglätte durch Regen bzw. Schnee oder Sichtbehinderung durch Nebel. Technische Mängel und Wartungsmängel machten 1,0 Prozent der Unfallursachen aus. 51,3 Prozent dieser unfallverursachenden technischen Defekte traten bei Krafträdern oder Fahrrädern auf.

Personenbezogene Unfallursachen (Fehlverhalten der Beteiligten) stellte die Polizei 320.946 mal bei Unfällen mit Personenschaden fest, das waren durchschnittlich 1,2 Fehler je Unfall oder 653 Fehlverhalten je 1.000 Unfallbeteiligte. Der größte Teil dieser Fehlverhalten, nämlich 62,0 Prozent, wurde entsprechend ihrer Unfallbeteiligung den Pkw-Fahrern angelastet. Ein Fehlverhalten von Radfahrenden wurde 65.329 mal polizeilich festgestellt.

Charakteristik und Besonderheiten der Unfallstellen innerorts

Innerhalb von Ortschaften wurden 2020 insgesamt 183.412 Unfälle mit Personenschaden verzeichnet. Darunter waren folgende "Besonderheiten der Unfallstelle" verzeichnet: 10.512 mal "Radverkehrsanlage neben der Fahrbahn" , 6.914 mal "Radverkehrsanlage auf der Fahrbahn", 4.515 mal "Benutzungspflicht der Radverkehrsanlage". Unter "Charakteristik der Unfallstelle" wurde 39.504 mal "Kreuzung", 37.951 mal "Einmündung", 16.055 mal "Grundstücksein- oder -ausfahrt", 8.181 mal "Kurve" und 4.428 mal "Kreisverkehr" eingetragen.

Von Alleinunfällen mit Personenschaden waren innnerorts 20.888 und außerorts 4.995 Radfahrende betroffen. Bei Alleinunfällen starben innerorts 71 und außerorts 47 Radfahrende.

Von den 100.159 an Straßenverkehrsunfällen beteiligten Radfahrenden  waren im Januar 4.954, im Februar 4.262, im März 4.476, im April 7.955, im Mai 10.072, im Juni 12.141, im Juli 12.835, im August 11.994, im September 12.868, im Oktober 7.995, im November 6 . und im Dezember 4.136 involviert.

Weitere ausführliche Informationen finden Sie in der Jahresveröffentlichung "Fachserie 8, Reihe 7 Verkehrsunfälle 2020"