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Niederlande

Zweimal Grün für Radfahrer fast überall möglich

Radfahrerampel mit Grünlicht
© Deutscher Verkehrssicherheitsrat e. V., Bonn

In der Ausgabe der vom niederländischen Fietsberaad herausgegebenen Publikation Fietsverkeer (Ausgabe 24, 2010, pdf) beschäftigt sich ein Beitrag mit den Ursachen für die mangelnde Aufmerksamkeit der Lichtsignalanlagenplaner für Radfahrer und macht anschließend Vorschläge wie die Reisezeit für den Radverkehr verkürzt werden kann. Im Artikel "Tweemaal groen kan bijna overal" werden mögliche technische Maßnahmen (Doppel-Grün, Immer-Grün, Grüne Welle) beschrieben.

Radfahrer klagen seit langem über lange Wartezeiten an Ampeln und fahren deshalb oft bei Rot über Kreuzungen. Aus einer Langzeit-Analyse des Fietsersbond geht hervor, dass rote Ampeln drei Viertel der Wartezeit von Radfahrern verursachen. In kleinen Gemeinden fallen diese Wartezeiten weniger auf, in großen Kommunen können durch solche Fahrtunterbrechungen jedoch bis zu 45 Sekunden pro Kilometer zusammen kommen. Die Situation bezüglich der Wartezeiten hat sich in den letzten Jahren leicht verbessert, laut Fietsersbond ging die durchschnittliche Wartezeit pro Kilometer um 2 Sekunden zurück. Rund 40 Prozent der Fahrtzeitverkürzung geht auf das Konto von optimierten Ampelschaltungen, der Rest hat andere Ursachen.

Die Norm für eine fahrradfreundliche Regelung liegt laut CROW-Entwurfsrichtlinie "Ontwerpwijzer Fietsverkeer" bei unter 30 Sekunden Wartezeit (= gut). Eine Wartezeit zwischen 40 und 30 Sekunden wird noch mäßig bewertet und alle Wartezeiten über 40 Sekunden sind demnach schlecht für die Fahrradfreundlichkeit.

Zweimal Grün zu schalten - während einer Ampel-Umlaufzeit - macht fachlich am meisten Sinn, um die Wartezeiten an Knotenpunkten für Radfahrer zu reduzieren, so die Auffassung von Bo Borrmans vom Büro DTV Consultants. Laut Borrmans ließen sich zwei Grünphasen an fast allen Kreuzungen einrichten. Und falls die Hauptverkehrszeit eventuell doch zu Leistungsfähigkeits-Problemen führen sollte, könnte während dieser Verkehrsspitzen die Doppel-Grün-Phase deaktiviert werden. Die Wartezeit für Fahrradfahrer könnte sich mit Hilfe dieser Maßnahme - zumindest außerhalb der Verkehrs-Spitzenzeiten - in fast allen Fällen auf 60 Prozent senken lassen, so Borrman weiter.

Tipps für ein besseres System:

  1. Zweimal Grün für Radfahrer pro Ampelumlauf schalten (in Autoverkehrs-Spitzenzeiten Verzicht auf das zweite Radfahrergrün)
  2. Standardsierte Mehrfachanfrage parallel zum ÖPNV, dem Auto- und Fußgängerverkehr
  3. Einbau von Abstandsdetektoren
  4. Berücksichtigung linksabbiegender Radfahrer bei Grünphasen
  5. Berücksichtigung rechtsabbiegender Radfahrer durch Bau einer separaten Radverkehrsanlage (Ermöglichung des Rechtsabbiegens bei Rot für geradeaus fahrende Radler)
  6. Einführung von Grünen Wellen für Radfahrer
  7. Wartezeitverkürzung bei Rot
  8. Kürzere Umlaufzeiten
  9. Dauergrün (bei Abwesenheit anderer konfliktträchtiger Verkehrsmittel)
  10. Alle Radfahrer bekommen gleichzeitig Grün

Weitere mögliche Maßnahmen: Vergrößerung der Ab- und Zuflusskapazität für Kfz (wodurch kürzere Ampelumläufe ermöglicht werden). Markierung aufgeblasener Radfahrstreifen (Aufstellung der Radfahrer vor dem Kfz-Verkehr)...

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Weitere Informationen:

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Zur Fietsberaad-Mitteilung

Meta Infos
Stand der Information
21. März 2010
Quelle

Ron Hendriks, Fietsverkeer 24 2010 / Niederländischer Fietsberaad (www.fietsberaad.nl)

Land
Niederlande
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen