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Wegweisung

Campus-Veloroutennetz zur Förderung des studentischen Radverkehrs

Campus-Velorouten-Wegweisung in Rostock
Campus-Velorouten-Wegweisung in Rostock © Steffen Nozon

Die Hansestadt Rostock fördert im Rahmen des Interreg-III-B-Projekts "Baltic-Sea-Cycling" (2004-2007), das durch die Europäische Union finanziert wird, den Alltags-Radverkehr. Über das Projekt wurden in regionaler Partnerschaft mit dem umliegenden Landkreis Bad Doberan und dem ADFC eine Vielzahl von Projekten und öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen initiiert. Es wurde zum Beispiel ein Internetauftritt für die Region zum Radverkehr, ein Fahrradstadtplan (2007) und ein Kino-Werbefilm erstellt. Außerdem nahm Rostock als erste ostdeutsche Stadt 2006 am Fahrradpolitikauditverfahren BYPAD teil.

Diese Maßnahmen brachten dem Radverkehr in der Region einen spürbaren Aufschwung. Ob es nun am verbesserten Marketing, an Infrastrukturmaßnahmen oder an der steigenden Zahl Studierender lag, punktuelle Zählungen an wichtigen Radrouten im Stadtzentrum erbrachten durchschnittliche Zuwächse von 30% zwischen 2004 und 2006. 15% aller Wege im Binnenverkehr werden derzeit mit dem Rad erledigt. Laut dem von der Bürgerschaft 2006 beschlossenen Radverkehrsförderprogramm werden 20% angestrebt.

Die Partner des Baltic-Sea-Cycling-Projekts hatten jeweils eine Modellmaßnahme (pilot action) zu realisieren, wobei Rostock sich dem Thema "signs & information", also der "Beschilderung und Information" zuwandte. Diese Modellmaßnahme sollte speziell zur Förderung des innerstädtischen, studentischen Radverkehrs genutzt werden. Hauptzielgruppe sind die jährlich ca. 3.000 neuen Studierenden, die sich an der Uni einschreiben und anfangs zumeist schlechte Ortskenntnisse haben. Es wurden Campus- Velorouten definiert und ausgeschildert, die die Universitätsstandorte am Universitätsplatz, den Campus Ulmenstraße, das Uni-Klinikum und den Campus in der Südstadt miteinander verbinden.

Mit 145 Schildern wurden die wesentlichen universitären Ziele in der Innenstadt ausgewiesen, aber auch andere wichtige Ziele wie Bahnhof, öffentliche Plätze etc. Die Beschilderung wurde entsprechend den Empfehlungen der Forschungsgemeinschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) für den innerstädtischen Alltagsverkehr in roter Schrift ausgeführt. Damit unterscheidet sich die Wegweisung von der touristischen Rdawegweisung die grüner Schriftzüge hat. Neben den universitären Zielen wurden Aufkleber mit dem Uni-Logo gesetzt, so dass neben der bloßen Information auch ein Marketingeffekt für die Universität erreicht wird, da die Schilder in der gesamten Innenstadt stehen. Die Universität Rostock, die 1419 gegründet wurde und damit die älteste Universität in Nordeuropa ist, ist mit 14.000 Studierenden und 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein enorm wichtiger Standortfaktor und der bedeutendste Arbeitgeber der Region.

Das Konzept für die Campus-Velorouten wurde durch ein Planungsbüro erstellt. Am Anfang stand die Frage: Welche Routen benutzen die StudentInnen eigentlich in der Praxis? Anstatt eine aufwändige Verkehrsbefragung mit dem Ziel einer Quell- und Zielanalyse durchzuführen, wurden einfache Stadtplanauszüge in den Mensen ausgelegt, in welchen die Studenten ihre Vorzugsradrouten markieren sollten. Mittels geografischer Informationssysteme (GIS) erfolgte eine quantitative Auswertung und darauf basierend die Definition der Campus-Velorouten. Die Planung erfolgte unter Beteiligung des ADFC, sowie Vertretern der Uni und der Studierendenvertretung AStA/StuRa.

Ergänzend zu dem Beschilderungssystem wurden einige bauliche Maßnahmen im Verlauf der Campus-Velorouten durchgeführt. Zur Entfernung zweier Nadelöhre für den studentischen Radverkehr war zum einen die Verbreiterung des Geh- und Radweges "Am Röper" in Verlängerung der Campuspromenade zum Audimax notwendig und zum anderen die Markierung von Radfahrstreifen in der Hermannstraße an der Einmündung zur August-Bebel-Straße. Für die letztere Maßnahme mussten Parkplätze geopfert und auf Parkgebühreneinnahmen verzichtet werden, so dass Diskussionen bis in den politischen Raum nicht ausblieben.

Für die Umsetzung der genannten Maßnahmen standen Fördermittel der Europäischen Union in einem Rahmen von 17.500 Euro zur Verfügung. Die Maßnahmen wurden in Regie des Tief- und Hafenbauamtes realisiert.
Weitere Maßnahmen zur Attraktivierung des Campus-Velorouten-Netzes sollen schrittweise umgesetzt werden – insbesondere muss die Verbindung vom Zentrum zum Campus in der Südstadt verbessert werden. Die Einrichtung von Fahrradstraßen ist hier eine von mehreren Optionen.

Zusätzlich wurde ein Faltblatt speziell für Studenten erstellt, das einen Innenstadtplan mit den Campus-Velorouten und alle erforderlichen Infos rund ums Radfahren und Studieren in Rostock enthält, darunter

  • Adressen aller universitären Einrichtungen
  • Adressen und Telefonnummern aller Fahrradhändler
  • Ansprechpartner zu Radverkehrsfragen (Kommune, Polizei, ADFC etc.)
  • wichtige Verkehrs- und Sicherheitsregeln und Bußgeldkatalogauszüge

Das Faltblatt liegt in vielen Uni- Einrichtungen, wie Mensen und beim Studentensekretariat sowie den Infotheken der Hansestadt Rostock aus und wird jedem Neustudenten bei der Immatrikulation zugesendet.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die explizit zielgruppenspezifische Radverkehrsförderung ist eher die Ausnahme, kann aber bei geringen Ressourcen Sinn machen. Die Planungsmethodik und Ergebnisse lassen sich auf andere Städte und Regionen übertragen. Die Methode der Aufstellung des Routenkonzeptes ist einfach, aber verlässlich. Die Beseitigung von kleinen besonders "ärgerlichen" Hindernissen (Nadelöhr) im Routenverlauf bringt oft mehr als kostspielige linienhafte Maßnahmen.

Finanzierung

Finanzierung: 
EU-Mittel
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
17 500 €
Erläuterungen: 
Die Förderung bestand zu 75% aus dem Interreg-III-B-Programm und zu 25% aus Eigenanteilen.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Verkehrszählung (zum Vorher-Nachher-Vergleich)

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Hansestadt Rostock
Projektbeteiligte: 
  • Hansestadt Rostock
  • ADFC
  • Universität Rostock
  • Planungsbüro: radplan-nordost

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2006
Projektende: 
Dezember 2006

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Herr Steffen Nozon
Amt für Umweltschutz, Abt. Immissionsschutz und Umweltplanung
Lokaler Projektmanager für das EU-Projekt „Baltic-Sea-Cycling“
Hans-Fallada-Str. 1
18069 Rostock
Telefon: +49(0)381/3817328
Telefax: +49(0)381/3817373
E-mail: steffen.nozon@rostock.de

Kommunale Ansprechpartner: 
Herr Christian Pagenkopf
Hansestadt Rostock, Tief- und Hafenbauamt
SGL Verkehrsplanung
Holbeinplatz 14
18069 Rostock
Telefon: +49(0)381/3816692
Telefax: +49(0)381/3816906
E-mail: christian.pagenkopf@rostock.de

Meta-Info
Stand der Information
2. Mai 2007
Autor
Steffen Nozon, Hansestadt Rostock
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Mecklenburg-Vorpommern