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Touristischer Bahntrassenradweg

Die HOAG-Trasse

Der Radweg auf der Hoag Trasse (Brücke über die A 59)
Der Radweg auf der Hoag Trasse (Brücke über die A 59) © RVR

1. Ausgangssituation

Die Umwandlung der Güterbahntrasse der Hüttenwerke Oberhausen AG (HOAG) in einen Radwanderweg wurde vom Regionalverbandes Ruhr (RVR) durchgeführt. Der RVR ist ein Zusammenschluß von elf kreisfreien Städten und vier Kreisen im Ruhgebiet, welcher unter anderem Projekte der Freiraumerhaltung und –gestaltung realisiert. Die Gestaltung des Emscher Landschaftsparks im Kernbereich des Ruhrgebietes gehört zu einer seiner vorrangigen Aufgaben.

Die Trasse wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Hüttenwerke Oberhausen AG (HOAG) gebaut. Sie verlief von Duisburg-Walsum in Rheinnähe bis nach Oberhausen–Sterkrade und wurde 1995 stillgelegt. Der letzte Eigentümer war Thyssen Krupp. Auf der Trasse wurden früher überwiegend die Eisenerze vom Rheinhafen zu den Zechen und Hüttenwerken transportiert. Umgekehrt erfolgte der Rücktransport der Stahlerzeugnisse zum Hafen.

Ende 2001 wurde die Trasse vom RVR gekauft, mit dem Ziel, diese zu einem Rad-Wanderweg umzubauen. Die Strecke verläuft auf Duisburger Stadtgebiet fast ausschließlich in Dammlage, in Oberhausen überwiegend in ebenerdiger Lage. Dadurch gibt es insgesamt 16 Brücken-, Durchlass- und Tunnelbauwerke. Der Trassenverlauf gestaltet sich sehr abwechslungsreich, da er durch dicht bebautes Gebiete, aber auch entlang von landwirtschaftlich genutzen Flächen mit schönen Ausblicken führt. Teilweise führt der Radweg auch vorbei an den großen Brachflächen am Rande der ehemaligen Zechenstandorte.

Die offizielle Eröffnung des schon vorher abschnittsweise erstellten und freigegebenen Weges fand am 10. Mai 2007 statt. Für die Verkehrssicherung und die Unterhaltung der Strecke ist der RVR zuständig.

2. Umbaumaßnahmen

Die Umbaumaßnahmen wurden zwischen Mitte 2002 und Mitte 2007 durchgeführt. Von Anfang an bestand seitens des Auftraggebers der Wunsch durch besondere Gestaltungselemente den Wiedererkennungswert dieser Trasse zu erhöhen.
Diese sind im einzelnen:

  • 1,5 m hohe farbige Betonspielfiguren an allen wichtigen Bauwerken,
  • Gruppierung von Säuleneichen an den gleichen Standorten, zusätzlich an allen Auf-und Abgängen sowie an Rastplätzen,
  • Verwendung von Gabionen (ein Kubikmeter große Drahtkörbe mit einer Füllung aus Grauwackesteinen) als Gestaltungselement an Rastplätzen, Rampen usw.
  • Verlegung von Gleisen an markanten Stellen, um auf den historischen Ursprug der Strecke aufmerksam zu machen,
  • Verwendung von Infostelen aus Gleisteilen.

Im ersten Bauabschnitt wurden die Brücken und Tunnel saniert. Hauptsächlich war eine Erneuerung des Korrosionsschutzes und die Sanierung der Mauerwerke und Betonflächen der Widerlager notwendig. Als neue Absturzsicherung wurden Edelstahlgeländer angebracht, da diese geringere Unterhaltungskosten aufweisen. Hier mussten allerdings bereits nach kurzer Zeit Nachbesserungen erfolgen, um sie diebstahlsicher zu machen, da es Versuche gab, diese zu entwenden. Viele Widerlagerwände wurden durch wechselnde örtliche Schulklassen oder Künstler farbig mit Motiven aus der Umgebung gestaltet. Außerdem wurden viele der alten Betonmasten für die Trassenbeleuchtung künstlerisch gestaltet.

Im zweiten Bauabschnitt wurde der 3,5 breite Weg auf dem alten Gleisschotter der ehemaligen Bahnstrecke gebaut. Der Schotter wurde mit einem Flies zum Porenschluß belegt, worauf wiederum durchschnittlich etwa 20cm Hartkalksteinschotter aufgetragen wurden. Die Deckschicht besteht aus Dolomitsand und ist wassergebunden. Die Rampen und Rastplätze sind gepflastert und ein kleiner Teil auf einer ehemaliger Zechenbrache ist asphaltiert. Die 16 Auf- und Abgänge, die die Verbindungswege zum örtlichen Straßen- und Wegenetz darstellen sind mit einem durchschnittlichen Steigungsverhältnis von 6-8% angelegt. Eine geringere Steigung war aufgrund der nur relativ schmalen zur Verfügung stehenden Fläche nicht möglich. Größere und kleinere Rastplätze mit Bänken oder Tischen und Fahrradständern laden zum Ausruhen oder Besichtigen interessanter Orte ein. Aufgrund der unmittelbar angrenzenden Siedlungen mit Wohngärten mussten in Teilbereichen zusätzliche dichte Pflanzungen angelegt werden, um die Sichtbeziehungen zwischen den Gärten und dem Radweg zu verringern.

Die Durchführung der Bauphasen erfolgte in enger Abstimmung mit den betroffenen Stadtämtern (z.B. Untere Landschaftsbehörde, Planung, Umwelt, Tiefbau u.a.). Wichtige Planungen, wie zum Beispiel der Bau der Röhrenrutsche, wurden in den städtischen Gremien und der Bezirksvertretung vorgestellt und abgestimmt. Am gesamten Projekt waren 13 Büros und 60 Firmen beteiligt.

3. Besondere Highlights

Als besondere Highlights wurden eine Röhrenrutsche und ein kleiner Fahrrad- und Kickboardpark im Verlauf der Strecke geschaffen. Die Röhrenrutsche verbindet den in Dammlage verlaufenden Radweg mit einem darunterliegenden, städtischen Spielplatz. Die Idee hierzu entstand als festgestellt wurde, dass die Dammböschung von Kindern für Rutschpartien zu dem darunterlilegenden Spielplatz genutzt wurde. So wurde eine ca. 20m lange Röhre gebaut, die man über einen 3m hohen Einstieg erreicht.
Der Wiederaufstieg erfolgt über eine direkt an der Rutsche angelegte Natursteintreppe. Der Fahrrad- und Kickboardpark nimmt eine Fläche von 1000qm ein und besteht aus mehreren kleinen Wegen mit wasserdurchlässiger Asphaltdecke. Die kurvigen Wege führen über mehrere Hügel, die besonders Kinder zum Ausprobieren ihrer Räder und Kickboards animieren.

4. Info- und Verkehrsbeschilderung

Zur Orientierung und Gestaltung an den Auf- und Abgängen zur Trasse dienen Stelen aus Gleisteilen mit Straßen- und Ortsnamen. Zusätzlich dient eine umfangreiche Zielbeschilderung nach den Vorgaben der Beschilderungsrichtlinien für Radwege in NRW besonders überregionalen Radfahrern als Orientierungshilfe. An markanten Punkten sind Informationstafeln aufgestellt worden, welche allgemein über die Geschichte der Trasse informieren und ein historisches Thema passend zum jeweiligen Standort besonders darstellen, wie zum Beispiel eine alte Waggonwaage.

5. Vernetzung

Die HOAG Trasse ist Bestandteil des dichten Radwegenetzes im Ruhrgebiet, von dem der RVR große Teile, auch auf alten Zechenbahntrassen, hat bauen lassen. So besteht eine direkte Verbindung zum Emscher Park Radweg, der die Weiterfahrt in das östliche Ruhrgebiet ermöglicht. Am südlichen Ende der HOAG Strecke schließt sich der "Grüne Pfad" an, der auch Bestandteil des Emscher Park Radweges ist und in Richtung Südwest nach Duisburg-Hamborn und zum großen Landschaftspark Duisburg-Nord führt. In Duisburg-Walsum am westlichen Ende der Trasse besteht der Anschluß an den Rundkurs Ruhrgebiet und mittels Rheinfähre an das linksrheinische Wegenetz.
Durch den Weg werden aber auch die direkt angrenzenden Grünräume, so der Grünzug A und viele regionale Wege miteinander verbunden, bzw. vom KfZ Verkehr störungsfrei erreicht.

6. Ergebnis

Der Weg wird mittlerweile sehr gut angenommen, und zwar sowohl von überregionalen Tourenfahrern, als auch von "Feierabendnutzern" in der Nähe der Wohnungen mit Rad, Kinderwagen oder Hund.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Der Radweg zeichnet sich durch eine besondere Nutzerfreundlichkeit aus, z.B. durch die vielen Rastplätze, die einheitliche Gestaltung und das Angebot von Spielmöglichkeiten. Die hohe Qualität und die im Vergleich zu anderen Radwegen hochwertige Ausstattung wird von den Nutzern wahrgenommen und geschätzt.

Finanzierung

Finanzierung: 
EU-Mittel
Landesmittel
Kommunale Mittel
Sonstige
Gesamtvolumen: 
7 000 000 €
Erläuterungen: 
Die Umsetzung der Maßnahme kostete etwas über 7 Millionen Euro und wurde vom Land NRW sowie von der EU mit 90% gefördert. Die restlichen 10% wurden durch den RVR durch Eigenmittel finanziert. Die Förderung erfolgte über das Ökologieprogramm im Emscher Lippe Raum als NRW/EU-Gemeinschaftsinitiative und wird von der Europäischen Union kofinanziert.
Die laufenden Unterhaltungskosten werden vom Land und vom RVR übernommen.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Regionalverband Ruhr (RVR)

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Juni 2002
Projektende: 
Juni 2007

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Herr Dipl.-Ing. H. Eigemann
Regionalverband Ruhr
Projektleiter HOAG Trasse
Kronprinzenstr. 35
45128 Essen
Telefon: +49(0)201/2069731
Telefax: +49(0)201/2069745
E-mail: eigemann@rvr-online.de

Kommunale Ansprechpartner: 
Herr Dieter Baum
Stadt Oberhausen
Stadtentwicklung und vorbereitende Bauleitplanung, Fahrradverkehr
Technisches Rathaus, Bahnhofstr.66
46145 Oberhausen
Telefon: +49(0)208/8252592
Telefax: +49(0)208/8255260
E-mail: dieter.baum@oberhausen.de

Meta-Info
Stand der Information
1. August 2007
Autor
Dipl.-Ing. H. Eigemann, RVR
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Nordrhein-Westfalen