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Maßnahmen zur Erhöhung des Radverkehrs

Fahrradfreundliche Straße 'Norrebrogade'

Brückenansicht Norrebrogade
Brückenansicht Norrebrogade © Thomas Möller

Die Norrebrogade ist eine der Haupteinfallstraßen von Kopenhagen und führt von den Vororten ins Stadtzentrum. Insbesondere für Radfahrer stellt sie eine wichtige Verbindung zwischen der Innenstadt und den anderen Quartieren dar. Viele Geschäfte säumen die Straße, die in einem baulich dichten Trendbezirk der dänischen Hauptstadt liegt. Bis vor kurzem war die Norrebrogade eine gewöhnliche innerstädtische Straße, in der eine Maximalgeschwindigkeit von 50Km/h erlaubt war. Pro Verkehrsrichtung gab es zwei Fahrbahnen für den Automobilverkehr, einen auf eine Breite von zwei Metern begrenzten Radweg und einen Bürgersteig. Im Jahr 2004 wurde die Straße täglich von etwa 30.000 Radfahrern und 17.000 Autofahrern genutzt. Um die Reisegeschwindigkeit für den Radverkehr zu erhöhen, wurde in der Norrebrogade bereits im Jahr 2006 eine grüne Welle für den Radverkehr eingerichtet. (vgl. Praxisbeispiel "Grüne Welle" ).

Das Norrebrogade-Projekt wurde im Kontext des politisch initiierten Programms "ECO-Metropolis" entwickelt, mit dem das Ziel verfolgt wird, Kopenhagen als Welthauptstadt des Radverkehrs und des Klimaschutzes zu profilieren. Es ist beabsichtigt, den Radverkehrsanteil auf den alltäglichen Pendlerwegen bis zum Jahr 2015 von derzeit 37% auf 50% zu erhöhen. Die Zahl der bei Unfällen verletzten Radfahrer soll um 50% sinken und 80% der Radfahrer sollen sich im Straßenverkehr sicher fühlen.

Vor dem Hintergrund dieser Ziele war die Umgestaltung der Norrebrogade eines der vorrangigen Projekte: Die Straße mit den meisten Radfahrern in Kopenhagen sollte zu einer tatsächlich fahrradfreundlichen Straße umgewandelt werden. Eine Reduktion des Automobilverkehrs sollte mithilfe unterschiedlicher Maßnahmen erreicht werden: Reduzierung des für den Automobilverkehr zur Verfügung stehenden Straßenraums, Absenken des Tempolimits für Autofahrer, Erhöhung der Kosten für die Automobilnutzung. Die Einführung einer Straßenmaut war nicht möglich, da die nationale Gesetzgebung diesbezüglich Restriktionen beinhaltet. Deshalb lag der Fokus der Stadt Kopenhagen auf anderen Maßnahmen.

Im Fall der Norrebrogade wurde beschlossen, der Straße eine "Diät" zu verordnen, d.h. sie zu verkleinern und somit weniger attraktiv für Autos zu machen. Der motorisierte Verkehr konnte auf eine Nachbarstraße verlegt werden. Während einer Testphase im Jahr 2009 wurden die folgenden, teilweise temporären, Maßnahmen implementiert:

  • In jeder Richtung wurde nur noch eine Spur für den Automobilverkehr eingerichtet (eine weniger als zuvor).
  • Die Geschwindigkeitsbegrenzungen wurden auf 40Km/h abgesenkt.
  • Die Breite der Fahrradwege wurde an manchen Stellen verdoppelt (bis zu vier Metern).
  • Die Bürgersteige wurden erweitert und verbreitert.
  • Auf dem Bürgersteig an der sonnigen Seite der Straße ist nun mehr Platz für die Außenbereiche der Cafés und Restaurants.
  • In zwei Abschnitten ist es für Autos verboten, die Straße zu nutzen. Obwohl nicht erlaubt, werden diese Abschnitte jedoch von einigen Autos weiter befahren, da keine ständigen Kontrollen durchgeführt werden
  • Die öffentlichen Busse befahren weiterhin die Straße.
  • Für die Fahrgäste der Busse wurden Warteflächen in den Straßenraum eingefügt.
  • Reduktion des Parkraums: weniger Parkplätze, kein Langzeitparken mehr, Anlieferungen durch die Seitenstraßen wurden ermöglicht.
  • An den Kreuzungen können Radfahrer in die abgehenden Straßen abbiegen, Autos jedoch nicht.

Das Projekt wurde durch den Bürgermeister für Technik- und Umweltfragen, Klaus Bodman, ins Leben gerufen, der sich sehr intensiv um die Bedürfnisse der Radfahrer kümmerte. Es wurde der politische Beschluss gefasst, einen Teil des Projekts zu einer Dauermaßnahme umzuwandeln. Bis jetzt sind die einzelnen Maßnahmen lediglich temporär angelegt, das Design und die Bauweise sind provisorisch und nicht vollständig ausgereift. Eine dauerhafte Lösung wird nun zu Beginn des Jahres 2010 entwickelt. Die Kosten hierfür belaufen sich auf etwa 37 Millionen Dänische Kronen (etwa 5 Millionen Euro). Die Finanzierung ist von politischer Seite abgesichert und erfolgt aus dem gewöhnlichen Straßenbauetat.

Das Norrebrogade-Projekt wurde von der Verkehrsverwaltung unter Einbezug eines Architekturbüros planerisch entwickelt. Der Gesamtprozess gestaltete sich stellenweise durchaus kompliziert und schwierig. Die ansässigen Geschäftsinhaber hatten grundsätzliche Einwände. Bei einigen Gruppen war das Projekt sehr unbeliebt und wurde als politische Entscheidung kritisiert. Deshalb musste der Bürgermeister mit großem Einsatz für den Umbau der Norrebrogade einstehen.

Ergebnisse

Seit 2005 konnte ein gradueller Anstieg des Radverkehrs auf der Norrebrogade festgestellt werden: Damals wurde die Straße täglich von 30.000 Radfahrern benutzt, heute sind es 37.000. Der durchfahrende Autoverkehr konnte um fast 50% reduziert werden. Auch wenn einige Interessengruppen nicht glücklich über die Maßnahmen sind, hatten sie einen großen Einfluss auf die Attraktivität der Straße (Ergebnisse aus der Evaluation durch ein privates Büro). Bezüglich der Umwandlung der temporären Maßnahmen in dauerhafte Lösungen ist die Finanzierung für die Hälfte der Straße gesichert. Es steht aber noch nicht fest, wann die Mittel für die zweite Hälfte genehmigt und zugeteilt werden. Dies ist von politischen Entscheidungen und der Verfügbarkeit finanzieller Ressourcen abhängig, was dazu führt, dass der ursprüngliche Zeitplan nicht vollständig eingehalten werden kann.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Diese Maßnahmen zeigen, wie entscheidend es ist, das äußere Erscheinungsbild einer Straße zu verändern, um sie für Radfahrer und Fußgänger nutzerfreundlich zu gestalten.

Finanzierung

Gesamtvolumen: 
5 000 000 €
Erläuterungen: 
Investitionskosten: 37 Millionen DKK (ca. 5 Mio.Euro). Dieser Betrag wurde zur Gestaltung des ersten Teils der Straße gebraucht und erfolgt aus dem gewöhnlichen Straßenbauetat.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Der Bericht ist aber leider nur auf dänisch erhältlich.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Verkehrsbehörde
Projektbeteiligte: 
Moller and Gronborg Architekturbüro

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2006
Projektende: 
Dezember 2009
Info zur Laufzeit: 
Die beschriebenen Maßnahmen waren temporär. In den nächsten Jahren werden sie in dauerhafte Lösungen umgewandelt.

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Herr Klaus Grimar
Stadt Kopenhagen
Verwaltung für Technik und Umwelt,Verkehrsbehörde
Islands Brygge 37, 2. Etage
DK-1505 Kopenhagen V
Postfach P. O. Box 450
E-mail: klagri@tmf.kk.de

Kommunale Ansprechpartner: 
Herr Niels Jensen
Stadt Kopenhagen
Island Brygge 37
1505 Kopenhagen
Telefon: +4533663569
E-mail: niejen@tmf.kk.dk

Meta-Info
Stand der Information
1. Juni 2010
Autor
Niels Jensen, Stadt Kopenhagen
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Dänemark