Sie sind hier

Wegweisung

Gemeindeübergreifendes Radwegebeschilderungskonzept

Diese günstige Montage der Pfeilwegweiser ermöglicht eine geringere Pfostenhöhe und verhindert das Verdecken der anderen Schilder.
Diese günstige Montage der Pfeilwegweiser ermöglicht eine geringere Pfostenhöhe und verhindert das Verdecken der anderen Schilder. © E. Vortanz

1. Das Konzept

2004 hat die Verbandsgemeinde Bellheim den Auftrag zur Erarbeitung eines Radverkehrskonzepts, das den Ort Bellheim und seine Nachbarorte miteinander verbindet, gegeben. Im Februar 2005 wurde es im Gemeinderat vorgestellt und die Mittel für die erste Ausbaustufe bewilligt. Im Frühjahr 2006 wurde der Auftrag für die Umsetzung des Radverkehrskonzepts erteilt. Planung und Umsetzung wurde durch einen im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e.V. (ADFC) aktiven Planer, Erhardt Vortanz, durchgeführt.
Die ADFC-Gruppe in Bellheim existiert seit 1997 und war z.B. zwischen 1998 und 2002 an der Einrichtung von Fahrradabstellanlagen am Bahnhof beteiligt. Die Thematisierung von Radverkehrsangelegenheiten in der Öffentlichkeit hat dazu beigetragen, den Stellenwert des Themas Radverkehr auch in den politischen Gremien zu erhöhen.

Hauptbestandteil des Konzepts war nicht der Bau neuer Radwege, sondern die Verknüpfung vorhandener Wege im Rahmen einer Routenplanung und deren Erschließung durch Kennzeichnung mit Fahrradwegweisern für die Benutzung in Alltag und Freizeit. Weitere kleinere Maßnahmen wie das Absenken von Radwegauffahrten, das Beseitigen von baulichen Mängeln und das Ergänzen von Markierungen und StVO-Beschilderung sind ebenfalls Bestandteil des Konzepts. Bei den Routen handelt es sich um erprobte Wege unterschiedlicher Art, die die Quell- und Zielorte des Radverkehrs miteinander verbinden. Diese verlaufen teilweise auf "Bordsteinradwegen" innerorts entlang einer Straße oder auf Radwegen an den Landstraßen, die durch einen Grünstreifen vom schnellen Autoverkehr getrennt sind. Oft werden die Routen aber auf Forst- und Wirtschaftswegen und ruhigen Straßen innerorts mit wenig Autoverkehr (meist Tempo 30), geführt. Es wurde angestrebt, dass alle ausgewählten Radrouten überwiegend oder ganz frei vom Autoverkehr sind und dadurch für Radfahrer sicher und angenehm zu benutzen. Stark von Kfz befahrene Straßen werden nur überquert, wobei versucht wurde möglichst verkehrssichere Querungen zu schaffen.

Für die Radwegweisung kamen dabei die aktuellen Empfehlungen des Landes zur Anwendung, die sogenannten "HBR - Hinweise zur wegweisenden und touristischen Beschilderung für den Radverkehr in Rheinland-Pfalz" aus dem Jahr 2004.

1.1 Einbindung der Nachbargemeinden

Besonderer Wert wurde auf die von der Verbandsgemeinde Bellheim ausgehende offene Planung eines Netzes von Fahrradrouten mit Schnittstellen zu allen umliegenden Nachbargemeinden gelegt. Es sollte keine Insellösung entstehen. Schon im Vorfeld gab es daher Gespräche mit den Nachbargemeinden, in denen die ausgewählten Routen in den Gemeinden abgestimmt wurden. Die Wegweisung wurde so konzipiert, dass alle Routen zuverlässig und ohne weitere Richtungswechsel zu den auf den Wegweisern angegebenen Zielen, also den benachbarten Gemeinden, führen. Das gilt auch dann, wenn die Radwegweisung auf dem Gebiet der Nachbargemeinde nicht durch eigene Wegweisung ergänzt und vervollständigt wird. Es ist erwünscht, dass auch die Nachbargemeinden eigene Radrouten ausweisen und mit Wegweisern kennzeichnen, z.B. auch die Gegenrichtung nach Bellheim. Das Ziel ist eine durchgehende und einheitliche Wegweisung für den Radverkehr im gesamten Landkreis Germersheim oder darüber hinaus, wobei mit den Gemeinden Hochstadt und Offenbach schon zwei Gemeinden aus dem Kreis Südliche Weinstraße beteiligt sind.

1.2 Einbindung in das Netz von Rheinland-Pfalz

Neben der Einbindung der Nachbarkommunen wurde die Konzeption der Routenplanung der Verbandsgemeinde Bellheim an die landesweite Radwegeplanung von Rheinland-Pfalz mit ihren großräumigen Verbindungen und regionalen Ergänzungen angepasst. Dadurch passen alle denkbaren Ergänzungen von Radrouten innerhalb und außerhalb der Verbandsgemeinde Bellheim wie die Teile eines Puzzles stets gut zusammen. So kann das Netz der Radrouten jederzeit und ohne aufwändige Abstimmungen im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten weiter ausgebaut bzw. ergänzend beschildert werden.

2. Finanzierung

Der Landesbetrieb für Straße und Verkehr Rheinland-Pfalz beteiligt sich an den Kosten für den Teil der Radwegweisung, die entlang der sog. klassifizierten Straßen (Bundes, Landes- und Kreisstraßen) aufgestellt wurde. Die Kreisverwaltung hat zugesagt, die Kosten für die Routenlogos zu übernehmen und die Ortsgemeinden haben das Personal ihrer Bauhöfe zur Aufstellung der dortigen Schilder zur Verfügung gestellt.

3. Art der Beschilderung

Gemäß den HBR-Empfehlungen werden auf großen gut lesbaren Wegweisern im Format 80 x 20cm jeweils zwei Ziele des Radverkehrs mit Entfernungsangaben genannt. Die Ziele können mit zusätzlichen Piktogrammen versehen werden, z.B. einem "i" für die Touristinformation oder einem Piktogramm für "Bahnhof" oder "Freibad". Solche Wegweiser stehen überall dort, wo sich Radrouten treffen und man sich für eine Richtung entscheiden muss. Das betrifft Kreuzungen von Radrouten (mindestens vier mögliche Fahrtrichtungen) ebenso wie Verzweigungen von Radrouten (drei mögliche Fahrtrichtungen).

Die Wegweiser-Schilder sind. sog. "Alu-Hohlkastenprofile", also flache Kästen aus Aluminium, die man nicht so leicht verbiegen kann wie die bisher verwendeten Schilderpfeile aus 2-mm-Alublech. Sie haben an ihrer Unterseite eine Profilleiste zum Einschieben der sog. "Routenlogos" als Kennzeichen für touristische Radwege. Wenn ein touristischer Radweg wie z.B. der "Kraut-und-Rüben-Radweg" oder der "Queichtalradweg" auf einer der Radrouten verläuft, werden solche "Routenlogos" eingehängt. Da die Routenlogos bei Radtouristen ein beliebtes Souvenir sind, werden sie mit einer besonderen Sicherung gegen Diebstahl geschützt. Von einem Mitarbeiter des Bellheimer Bauhofs kam die Idee, statt Schrauben dafür Nieten zu verwenden, die mit den von Radfahrern mitgeführten üblichen Werkzeugen nicht entfernt werden können. Besonderer Vorteil der eingeschobenen Routenlogos ist ihre universelle Verwendbarkeit: Wenn die Führung von Radrouten oder touristischen Wege sich ändert, oder wenn neue touristische Wege hinzukommen, braucht man im Gegensatz zu früher keine neuen Schilder und muss sich auch nicht mit nachträglich angebrachten Aufklebern behelfen. Das neue Routenlogo wird einfach eingehängt, ein nicht mehr benötigtes Routenlogo kann leicht entfernt werden. Die HBR empfehlen nicht mehr als drei Routenlogos an einem Wegweiserschild. An Kreuzungen mit anderen Wegen und Straßen oder an Wegbiegungen werden bei Bedarf sogenannte "Zwischenwegweiser" verwendet. Hier entfallen die Zielangaben und auch die Routenlogos; diese Schilder bestehen nur aus einem Fahrradpiktogramm und einem Richtungspfeil und liefern nur eine Richtungsinformation.

Diese besondere Art nach den Vorgaben der HBR Wegweiser mit Ziel- und Entfernungsangaben gemeinsam mit Zwischenwegweisern zu verwenden, ist oft preiswerter als die alte Wegweisung und vor allem viel informativer. Der Fahrradfahrer erfährt nicht nur, dass er z.B. auf dem "Queichtalradweg" unterwegs ist, sondern auch, dass er demnächst nach Knittelsheim und später nach Landau kommt und wie weit es dorthin ist. Wenn lange keine Radwegweisung zu sehen war, werden Zwischenwegweiser, manchmal auch ohne die Notwendigkeit einer Richtungsänderung als Bestätigung angebracht, damit der Radfahrer weiß, dass er noch auf der ausgewiesenen Route befindet. Dabei handelt es sich meistens um nach oben zeigende Pfeile, die "weiter geradeaus" bedeuten. Damit nicht die ganze Landschaft mit Schildern zugestellt werden muss, gilt für alle Benutzer der neuen Beschilderung eine wichtige Hauptregel: Immer wenn es an Kreuzungen möglich ist, ohne Richtungsänderung eindeutig in die gleiche Richtung weiter zu fahren, steht dort kein Wegweiser. An Wegegabelungen und Knoten mit mehr als drei möglichen Fahrtrichtungen und/oder bei verzweigenden oder kreuzenden touristischen Radrouten mit Routenlogos steht dagegen immer ein Wegweiser für den Radverkehr und liefert die Informationen, die man für die Wahl der Fahrtrichtung braucht.

4. Qualitätssicherung

Ziel ist, dass die Beschilderung möglichst vielen Radfahrern und Radtouristen für viele Jahre dienlich ist. Sollten trotzdem Schilder beschädigt werden oder "verschwinden", dann ist es durch die vom Planungsbüro Vortanz für die Beschilderungsplanung verwendete Software "vp-Info" leicht, innerhalb kurzer Zeit für Ersatz zu sorgen. Es gibt eine Datenbank, in der alle Wegweiser mit ihren Zielangaben, Entfernungen usw. gespeichert sind. Auch Fotos der Schilderstandorte gehören dazu. Eine Erneuerung der Schilder ist aber nur dann möglich, wenn Beschädigungen und fehlende Schilder bemerkt und an die Verwaltung der Verbandsgemeinden gemeldet werden. Um dies sicher zu stellen, werden die Radwege durch "Radwegpaten" regelmäßig abgefahren. Sie haben sich bereit erklärt, die Radwege zu kontrollieren (am besten kontinuierlich, jedoch mindestens zweimal jährlich). Die Radwegepaten werden durch das Ordnungsamt koordiniert.

5. Routenführung in der Gemeinde Bellheim

Kernstück der Planung ist die Führung der Routen durch Bellheim ohne die Kfz-Fahrbahn der stark befahrenen Bellheimer Hauptverbindungen (L509 / L538 und L539) benutzen zu müssen. Das geschieht durch Radwege an den Landesstraßen und im Zentrum von Bellheim durch zwei parallel geführte Routen abseits der Hauptstraße: Eine führt im Süden über das Klärwerk, den Bahnhof und die Brauerei und eine zweite erschließt im Norden die Schulen, das Rathaus und den Schwimmpark. Von diesen beiden Routen ausgehend führen Radrouten nach Zeiskam, Westheim, Germersheim, Hördt, Rülzheim und Knittelsheim. Folgt man den Routen zu den genannten Orten, werden auch noch weiteren Nachbarorte erreicht: Von Zeiskam aus kann man nach Offenbach, Hochstadt und Lustadt fahren, von Knittelsheim aus nach Ottersheim, Herxheim und Herxheimweyher. Es gibt aber z.B. auch eine direkte Route von Bellheim nach Herxheim und Herxheimweyher über den Gollenberg, die einen sehr schönen Ausblick bietet und kürzer ist als die Strecke über Knittelsheim.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Es handelt sich um ein nachhaltiges Beispiel der Radwegweisung, weil die Nachbargemeinden einbezogen wurden und das vom Land Rheinland-Pfalz vorgegebene Radwegenetz zugrunde liegt. Darüber hinaus sind die Schilder so konzipiert, dass sie "haltbarer" sind und sie dem Fahrradfahrer eine zielbringende Wegweisung vorgeben.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
30 000 €
Erläuterungen: 
Investition: 30.000 Euro über 5 Jahre

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Verbandsgemeinde Bellheim
Projektbeteiligte: 
  • der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz in Koblenz, zuständig für die Radfernwege in Rheinland-Pfalz und für die HBR
  • der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Speyer als regional zuständige LBM-Stelle der Straßenbauverwaltung
  • die Kreisverwaltung Germersheim, zuständig für die touristischen Radwege im Landkreis
  • die Landwirtschaftskammer bzw. das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR), zuständig für die landwirtschaftlich genutzten Wege
  • der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd als betroffener berufständischer Verband
  • die Forstverwaltung, hier das Forstrevier Rheinauen, zuständig für die Forstwege
  • alle Nachbargemeinden, mit denen die dorthin führenden Radrouten abgestimmt wurden
  • die Verbandsgemeine Bellheim mit Ihren 4 Ortsgemeinden Bellheim, Knittelsheim, Ottersheim und Zeiskam

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2004
Projektende: 
Dezember 2009

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Herr Erhardt Vortanz
Pfalzstr. 32
67378 Zeiskam
Telefon: +49(0)6347/918216

Kommunale Ansprechpartner: 
Leiter Ordnungsamt/Verkehrsbehörde
Herr Harald Müller
Verbandsgemeinde Bellheim
Schubertstr. 18
76756 Bellheim
Telefon: +49(0)7272/7008-218
E-mail: verbandsgemeinde@vg-bellheim.de
WWW: www.vg-bellheim.de

Meta-Info
Stand der Information
23. Juli 2008
Autor
Erhardt Vortanz, ADFC
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Rheinland-Pfalz